Es ist normal, anders zu sein

Vorstellung von Pfarrerin Lioba Diez im Gemeindebrief Ostkreuz Sept/Okt 2011

Die Glocken der Pfingstkirche läuten. Es ist Sonntagmorgen und die Türen der Kirche stehen offen: Gottesdienstzeit. Da ist der Mann, der sich regelmäßig um die Kirche kümmert. Da sitzt die Frau, die sich seit langem für die Gemeinde engagiert. Ein junger Mann kommt; er ist erst vor kurzem zugezogen und kommt zum ersten Mal, um zu schauen, ob sich rund um die Pfingstkirche Bekannte oder gar Freunde finden lassen. Eine Mutter will ihrem Kind Werte vermitteln und hofft, in der Kirche einen guten Ort dafür zu finden. Da sind Eltern, die ihr Kind auf die Evangelische Schule schicken und mal schauen, was in der Pfingstkirche nebenan los ist. Da ist die Studentin auf der Suche nach Spiritualität. Und auch die Seniorin kommt, die schon Jahrzehnte zur Gemeinde zählt, die schon dabei war als das noch mit Nachteilen verbunden war.

Sie feiern Gottesdienst, manchmal nebeneinander, manchmal miteinander. Menschen mit verschiedenen Lebens- und Glaubenserfahrungen, verschiedenen Erfahrungen von Zuversicht und Zweifel.

Nach dem Segen bleiben einige noch, trinken Kaffee und Tee. Lernen einander kennen oder treffen sich wieder. Erzählen einander von der letzten Woche. Geben sich Anteil an ihrer Freude und ihrem Leid. Sie diskutieren auch mal über die Predigt. War sie zu fromm oder nicht fromm genug? Konflikte bleiben nicht aus. Aber es gibt auch deutliches Bemühen auf einander zuzugehen, sich wieder zu verstehen: Wer sich ärgert, sagt es der betreffenden Person direkt. Wer sich freut, äußert das auch. Die Gemeinde ist ein Ort, wo unterschiedliche Menschen zusammen kommen, miteinander Gottesdienst und das Leben feiern. Es ist ein Ort, an dem es normal ist, anders zu sein, denn: „Wir haben jeweils unterschiedliche Gaben, die uns in göttlicher Zuwendung geschenkt wurden“ (Röm 12,6a).

Von solch einer Gemeinde träume ich. Ab Oktober werde ich Pfarrerin im Entsendungsdienst an der Pfingstkirche sein – mit 50 % Stellenumfang. Ich bin Ende dreißig, verheiratet mit Günter Metzges und Mutter zweier kleiner Töchter Kaya (2) und Mira (4 Jahre). Bislang habe ich als Studienleiterin im Amt für kirchliche Dienste „Religionsphilosophische Projektwochen“ an Schulen organisiert. Zuvor war ich Vikarin an der Zionskirche, in der Evangelischen Kirchengemeinde Sophien.

Und: Von welcher Gemeinde träumen Sie?

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