Begegnungscafe am Samstag 7. Mai um 15 Uhr

Am kommenden Samstag, den 7. Mai findet um 15 Uhr wieder das Begegnungscafe statt: Ein Treffpunkt für kleine und große Einheimische und Geflüchtete.

Vom Begegnungscafe erzählt Roland Krieg: Im B-Café tief durchatmen

Die meisten erinnern sich gerne an das Quietschen unter den Turnschuhen, wenn Völkerball oder Fußball auf dem Stundenplan standen. Die Turnhalle hallte vom Spiellärm wieder, in den Umkleiden roch es immer etwas muffig. Nach dem Sport, waren wir froh, aus der Turnhalle wieder heraus zu kommen. In der Turnhalle leben?

Was undenkbar erschien, ist für über 100 Menschen zum Alltag geworden. In der Turnhalle in der Otto-Ostrowski-Straße trennen lediglich Tücher ganze Familien. Kinder auf ihrem Roller erinnern an den eigentlichen Zweck der Halle und dort, wo die Umkleiden waren, wird heute Gemüse geschnibbelt, Tee gekocht und Essen ausgeteilt. In einer Ecke der Halle stehen Biergartenbänke, um dort zu essen.

Seit Monaten leben Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Iran zufällig zusammengewürfelt in der Notunterkunft und warten auf ihren Bescheid, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Geflüchtet vor Krieg und Terror. In der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die Turnhalle ist nach Monaten ein erster Ort der Ruhe geworden. Hier konnten sich die Menschen erstmals innerlich sammeln und zurücklehnen. Dennoch ist das Leben in der Turnhalle nur ein Zwischenhalt. Eine Etappe mit „eigenen Rhythmen“. Rücksicht ist oberstes Gebot. Jeden Tag Deutschunterricht. Der Winter hat nur wenige Möglichkeiten zum Aufenthalt im Freien geboten. Am Nachmittag und vor allem am Abend Notgemeinschaft und „abhängen“ zwischen Gedanken an zu Hause, Erinnerung an die Flucht und Hoffnung auf ein Morgen.

Als ich Ali aus Syrien im März nach der Stimmung in der Turnhalle fragte, sagt er: „Es ist laut.“ Sein Gesicht zeigte mir, dass er damit nicht nur die Phonstärke meinte, sondern das Gewusel und die Unrast, die auf das Gemüt drücken. Emotionen sind universell. Um das zu erkennen ist ein Sprachdiplom überflüssig.

Mit dem Satz sagte er aber auch, dass er gerne im Begegnungscafé der Pfingstkirche ist. Mittlerweile liebevoll B-Café genannt, haben engagierte Friedrichshainer im Dezember im Gemeindesaal die Möglichkeit zum Durchatmen angeboten. Endlich mal raus aus der Turnhalle.

Menschen kennen lernen, bei denen die Geflüchteten leben wollen. Und wo die ehrenamtlichen Helfer die Menschen kennen lernen, die bald ihre Nachbarn sein werden.

Das aber klingt nur einfach. Die Geflüchteten aus der Otto-Ostrowski-Straße waren erst seit einigen Wochen in Deutschland. Mehr als eine Handvoll Worte kannten sie nicht. Umgekehrt haben wir Helfenden erst lernen müssen, dass Farsi und Arabisch zwei unterschiedliche Sprachen sind. Iraner und Syrer nutzen zwar die gleiche Schrift, aber dahinter verbergen sich zwei verschiedene Sprachen und Kulturen. Der Mittlere Osten ist so bunt wie die Vielfalt Afrikas mit 53 unabhängigen Staaten.

Bislang haben im B-Café alle viel Neues voneinander erfahren und sich gegenseitig kennen gelernt. Manchmal sitzen wir in Gruppen zusammen und lüften das Geheimnis hinter dem „Präteritum“. Ein neuer Kollege hat mir auf Google-Maps sein Haus und das seiner Eltern gezeigt. Fast wäre er wie seine Schwestern Reisbauern geworden. Jetzt will er als Elektriker in Deutschland ein neues Zuhause aufbauen. Der Kirchenchor hat die iranischen Gäste zu einer eigenen Sangesvorstellung angespornt.

Jedes Treffen im B-Café bekam ein anderes Gesicht. Manchmal geplant und oft spontan. Einige Flüchtende sind von Beginn an dabei. Eine Herausforderung, für die wir weitere Neugierige suchen. Die im Gemeindesaal Kaffee kochen, neue Ideen mitbringen und die Geflüchteten abholen. Da es jetzt wärmer wird, wollen wir das B-Café auf die Grünflächen neben der Turnhalle „verlagern“. Je mehr mitmachen, desto häufiger kann das B-Café stattfinden, und entlastet die „alten Hasen“.

Und bislang waren immer Kinder dabei! Die Friedrichshainer haben ihre Kinder genauso mitgebracht, wie die Flüchtenden. Die Kinder brauchen nur ein Kartenspiel, Buntstifte und ein Brettspiel. Die internationale Rasselbande braucht noch nicht einmal ein Startsignal, bevor sie miteinander spielen. Die Glücklichen spielen einfach alles weg.

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